~~Chapter 4- Shattered Ice~~

Plötzlich stolpere ich über etwas; härter als Schnee aber weicher als Stein...

Ich knie mich rasch hin und taste im Schnee nach dem Hindernis- bis meine Hände einen menschlichen Körper erspüren.

Hastig schiebe ich den Schnee beiseite.

Als ich sehe, wessen Körper es ist, der da liegt, stockt mir der Atem und ich ziehe Josh in meine Arme.

Er ist mit Schnee bedeckt, der seine schwarzen Haare weiß färbt.

Sein Körper fühlt sich eiskalt an, und seine normalerweise dunkle Haut wirkt wie gebleicht.

Er bewegt sich nicht.

Panik steigt in mir auf.

Mit zitternden Fingern taste ich nach seinem Puls- aber da ist nichts!

Nicht das geringste Lebenszeichen!

Ich fange immer mehr an zu zittern, nicht vor Kälte, sondern vor Angst und Schock.

Ich blicke auf den leblosen, erfrorenen Körper in meinen Armen.

Kein Atem, kein Herzschlag, nichts.

Der Gedanke, das er tot ist, fährt wie ein Blitz durch meinen Körper, starr bleibe ich im Schnee sitzen, Josh immer noch fest an mich gepresst, und rühre mich nicht.

Das der Schnee mich langsam bedeckt, merke ich nicht.

Jegliches Gefühl ist aus mir gewichen, mein Kopf wie leergefegt, nur eine leblose Hülle.

Das Leben, das Josh, seine Nähe, seine Worte, seine kurze Gegenwart in mir erweckt haben, ist wieder erloschen.

Ich fühle nichts mehr, noch weniger als vor unserer Begegnung.

Er ist tot.

Wegen mir.

Weil er mir in den Schneesturm folgte.

Weil ich weggelaufen bin.

Wegen mir.

Ich bin schuld.

Ich allein.

Durch mein Verhalten ist der einzige Mensch, dem ich etwas bedeute, und der mir nicht völlig gleichgültig war, den Tod gefunden.

Durch mich.

Ich habe ihn getötet...

Solche Gedanken wirbeln zusammenhanglos durch meinen Geist.

Kein Gefühl wie Trauer oder Schmerz ist in mir, nur etwas, das noch schlimmer ist als all das- eine endlose Leere, eisiges Nichts.

Gefühllos bette ich seinen Körper sanft in den weichen Schnee, ein reines, weißes, frostiges Grab.

Ich lege meine Hand an seine kalte Wange und schließe für einen Moment die Augen.

Dann beuge ich mich zu ihm herab und flüstere in sein Ohr: „Ich mag dich, Josh... sehr sogar."

Seine Haut ist eiskalt, als ich ihn zart auf die Stirn küsse.

Langsam stehe ich auf und laufe einfach los, tiefer hinein in den Schneesturm.

Minuten, Stunden, Tage, all das verliert seine Bedeutung.

Nur ich und die Kälte und die Leere.

Mehr nicht.

Irgendwann sind meine Kräfte erschöpft.

Ich sinke auf die Knie und bleibe im Schnee sitzen, während die Schneeflocken weiter um mich herumwirbeln.

Ich fröstele und erkenne überrascht, das ich friere.

Merkwürdig... ich habe noch nie gefroren...

Dann merke ich, das Tränen meine Wangen hinabströmen.

Wegen Josh?

Weine ich wegen ihm?

Aber wieso?

Sollte... sollte ich mich etwa in ihn verliebt haben?

Aber ich war doch noch nie verliebt, ich wusste nicht einmal, das mein erfrorenes Herz zu solchen Gefühlen fähig ist... aber anscheinend ist es so.

Josh... ausgerechnet er... er, der das ganze Gegenteil von mir ist... sollte er der sein, der mein Herz erwärmt hat?

Ja, ich muss es mir endlich eingestehen, es ist so.

Sein Lächeln, seine Augen... seine Berührungen haben ein Feuer in mir entfacht, das nicht mehr zu löschen ist.

Ich zittere, denn ich friere erbärmlich.

Meine frühere Kälte ist verschwunden, deswegen ist der Schnee auch nicht mehr mein Freund, das spüre ich.

Es ist, als würde ich den Wind von Verrat flüstern hören...

‚Dafür wirst du bezahlen...'

Habe ich nicht schon bezahlt?

War sein Tod nicht schon Rache genug?

Ich zittere immer mehr, meine Finger und Zehen sind schon lange taub geworden, mein Gesicht prickelt vor Kälte.

War das mein Schicksal?

Ein Leben in Kälte, einen Moment der Zuneigung, wie das jähe Aufflackern einer Kerze, kurz bevor sie verlöscht, um dann von der Kälte vernichtet zu werden?

Ist es das?

All die Zeichen- mein Name, mein Aussehen, meine Gefühlskälte...

Und Josh... wie ein Feuer, dass das Eis schmilzt, kam er in mein Leben, um ebenso schnell wieder zu gehen... Feuer und Eis...

Die Taubheit dehnt sich auf meine Beine und Arme aus.

Ich höre auf zu zittern.

Die Tränen sind auf meinen kalten Wangen gefroren.

Eine seltsame Ruhe breitet sich in mir aus, nicht die alte, gleichgültige Kälte, sondern eine ruhige Gewissheit, das sich alles, was jetzt geschieht meinem Einfluss entzieht, das ich nichts mehr tun kann um mein Schicksal zu steuern- wenn es sich erfüllt.

Ich schließe die Augen.

Bald wird mein Körper vor Kälte erstarrt sein... aus Eis...wie meine Seele...

...

Her soul's protected

By a wall so cold

What good does it do

Her eyes dead and old…

Snowflakes dancing around her

Brushing against her face

Her skin like frozen porcelain

Like ice-blue glass her gaze

Frozen princess in the snow

Who will melt the icy shell

Who will warm her cold numb heart

Free her from the frozen hell