Titel: Anata no Shoku

Autor: Silene (yatenshi ) Inhalt: absoluter Psycho-Krümelkäse, den Weiten meines kranken Hirns entsprungen, completely confusing. Weitere Erklärungen am Schluss, würde sonst das Ende der Story vorwegnehmen. Viel Spaß.

1. Teil

Nur das Klacken meiner Schritte klingt in der weitläufigen Halle wieder, durchbricht die fragilen Sonnenstrahlen, die in der staubigen Atmosphäre tanzen und Muster auf die Bodenplatten zeichnen. Friedlich und völlig still, die typische Trägheit eines Sommernachmittags, doch mit dem leisen Anklang des Herbstes, der nicht mehr fern ist. Meine Gedanken wandern genauso ziellos umher wie ich, verloren in den Weiten des Universitätsgebäudes, ohne wirklich zu realisieren was ich tue oder wohin mich meine Füße tragen; das gelegentliche Blinzeln gegen die Helligkeit des Sonnenlichts die einzige Regung auf meinem Gesicht. Die Glastüren, an denen ich vorbeikommen, geben mein blasses, hageres Spiegelbild wieder ohne zu hinterfragen; wozu auch, sie kümmert es nicht, solange meine Fassade nicht bröckelt. Und ich werde dafür sorgen, dass sie es nicht tut und bemühe mich nicht, meine Gedanken zu sammeln; denn wenn ich sie bündeln und bewusst wahrnehmen würde, wäre dies gleichbedeutend mit dem Eingeständnis, dass ich sie als wahr akzeptiere; etwas, das ich um jeden Preis vermeiden will. Das sich rasch nähernde Geräusch eines zweiten Fußpaares stört den gleichmäßigen Rhythmus meiner Schritte und lässt mich aufblicken; gerade noch rechtzeitig, um etwas Violettes an mir vorbeieilen zu sehen... Ich fahre herum, noch ehe mein Gehirn bewusst den Befehl dazu gibt und jage hinterher, da ist sie, sie ist es, ich muss sie einholen, sie darf nicht verschwinden, nicht noch einmal...! Meine raschen Bewegungen scheinen ihre Aufmerksamkeit erregt zu haben, sie hält in ihrem Lauf inne, bleibt stehen, ihr violettes Haar glänzt im Sonnenlicht wie damals, ich eile auf sie zu, Glück füllt mein Herz-da dreht sie sich um, und wie Eiswasser überkommt mich die Erkenntnis, dass ich Unrecht hatte. Sie ist es nicht. Natürlich; wie hätte sie es auch sein können? Ich bin dumm. Ohne es wirklich zu realisieren, bin ich stehen geblieben, wenige Meter vor der jungen Frau, die mich mit bernsteinfarbenen Augen verwundert mustert. Ich versuche meine Enttäuschung zu verbergen, zwinge einen neutralen Ausdruck auf meine Züge; gleichzeitig überkommt mich blinde Wut. Violett und Gold waren ihre Farben, nur ihre! Diese Frau hat nicht das Recht, diese Farben zu tragen, niemand hat das Recht, niemand! Die Finger meiner rechten Hand krümmen sich zur Faust, ich will diese Farben auslöschen; diese Farben, die für ewig ihr gehören werden, nur ihr und niemand anderem! "Kann ich Ihnen helfen?" Ihre Stimme, so seltsam normal und meiner Erregung nicht bewusst, zieht mich aus dem Abgrund der Erinnerung zurück ans Tageslicht; ihre Ruhe und freundliche Verwunderung glättet die Wogen meines inneren vergifteten Ozeans. "Entschuldigung?" Ein Anflug von Verwirrung kreuzt ihre Züge, als ich keine Antwort gebe, sondern sie nur anstarre, gedankenlos, atemlos, reglos. Ich will dieses Haar berühren, es anfassen, ob es sich so anfühlt wie ihres, will sehen, ob die Strähnen ebenso im Mondlicht schimmern, wie ihre es taten, will tiefer in diese Augen blicken, in ihnen versinken, sie ergründen und sehen, ob sie so endlos und rätselhaft warm sind wie die ihren... denn wenn sie es nicht sind, das weiß ich, wird der Sturm in meiner Seele abflauen, wird sich beruhigen und sich zurückziehen in den dunkelsten Winkel meines zermarterten Hirns; der Bann, diese Vermischung von Erinnerung und Realität, wird sich heben, und ich werde einfach weitergehen können. Ich will meinen Instinkten nachgeben, hebe die Hand, um sie zu berühren, meine Finger sind nur noch Zentimeter von ihrem violetten Haarschopf entfernt, da reißt sie sich aus ihrer Starre und tritt zurück, ihre Augen verwirrt und beinahe ängstlich, ich habe aufgehört zu atmen. Das Rauschen des Blutes in meinen Ohren mischt sich mit der schrillen Stimme meines Verstandes, der versucht, mir die Wahrheit klarzumachen. Sie ist es nicht. Es ist unmöglich; dieses fremde Mädchen ist nicht sie, obwohl Haar- und Augenfarbe dieselbe sind. Langsam kühlt mein Geist wieder ab, Vernunft gewinnt die Oberhand über Erinnerungen und Instinkte zurück, und mir wird plötzlich die Absurdität dieser Situation bewusst- sie, unsicher, verwirrt, Abwehr auf ihrem Gesicht, in ihrer ganzen Haltung, ich, direkt vor ihr, meine Hand immer noch erhoben, meine mit Sorgfalt aufgebaute Fassade schwankend... so geht das nicht. "Entschuldige," sage ich rasch, froh, mich wieder unter Kontrolle zu haben, meine heitere, neutrale Maske an ihrem Platz. "Ich habe Sie verwechselt, ich wollte Sie nicht erschrecken... Aber Sie sehen einer alten Freundin von mir sehr ähnlich." "Ach?" Erleichterung klingt in ihrer Stimme wieder, eine Stimme, die ebenfalls vertraut ist und doch anders. "Ich dachte schon..." Sie bricht ab und lächelt nur, eine offene, nichtssagende Geste. "Wissen Sie, ich bin neu an der Uni, erstes Semester." Ich erwiderte das Lächeln, ebenso offen, ebenso nichtssagend, und strecke erneut die Hand aus, diesmal zum Gruß. "Mein Name ist Kin, zweites Semester. Und lass das 'Sie', unter Kommilitonen duzt man sich." "Von mir aus, ich bin Sumire. Was dagegen, mir die Uni zu zeigen?" Ein Lachen, genauso falsch wie alles an mir, entrinnt meiner Kehle. "Gerne, komm mit!" Mein Verstand hat Recht, sie ist es nicht. Sie ist es nicht. Sie...hat nie existiert.

Noch langweilig? Unverständlich? Wartets ab!