Titel: Anata no Shoku

Autor: Silene (yatenshi )

Teil 4

Mit diesem Eingeständnis meiner Wahrheit bricht der Damm, der bis jetzt die tosenden Flut der verdrängten Erinnerungen und Eindrücke zurückgehalten hat, lässt sie wie Säure einen Weg durch meine Seele fressen, an meinem Verstand zerrend... ...'Kin!' - Ein zärtliches Lachen, leuchtend goldene Augen. - 'Kin, komm schon, wir müssen los!' - Wie ein ungeduldiges Kind trippelt sie im Türrahmen herum, drängend. - 'Wir kommen zu spät!' ... ...Köpfe neigen sich zueinander, Atem wird ausgetauscht, eine warme Umarmung, 'Ich liebe dich.' ... ...das Brummen des Motors, das Autoradio spielt leise, die regennasse Fahrbahn glänzt kalt im Licht der Straßenlaternen... ...das blendend weiße Licht des entgegenkommenden Wagens auf der anderen Fahrbahn... nein... auf unserer Fahrbahn... ... unmöglich auszuweichen, letzte Sekunden in Zeitlupe, als der Wagen frontal auf uns zusteuert... ...ihr Schrei, der Knall, splitterndes Glas, krachendes Blech, so laut, zu laut, das warme Gefühl von Blut auf meinen Wangen... ...Angst, nein, Panik, flackernde Neonnacht, der schlaffe Körper in meinen Armen, violette Haare verklebt von Blut, goldene Augen starr und gebrochen, 'Nein...bitte nicht! Wach auf, bitte! Wach auf! NEEEIIIN!'... ...MÖRDER!... Meine Augen starren ins Leere, die Bilder in meinem Inneren so überwältigend, dass ich außerstande bin, noch etwas anderes wahrzunehmen, Erinnerungen über Erinnerungen, Schmerz, Schuld, Leere, nur an den Bewegungen meiner Lippen merke ich, dass ich unbewusst Bruchstücke des Vergangenen, der Gedanken ausspreche. Mit letzter Kraft zwinge ich mich zum Schweigen, kämpfe die längst vergangenen Bilder, all die Schmerzen nieder, "Geht weg!", und schaffe es schließlich, meinen Kopf soweit zu leeren, dass ich mich beruhigen kann. Als ich aufsehe, erschöpft, die Dämonen für den Moment geflohen, zitternd, sehe ich Sumire immer noch auf ihrem Stuhl sitzen, nackte Angst in den Augen, um sich, um mich, um uns beide, auch ihr Körper bebt. "..." "Kin, du..." Sie atmet keuchend und schnell, starrt mich an wie ein gehetztes Tier, das noch zwischen den Instinkten Flucht und Erstarrung schwankt, nicht wissend, was sie sagen oder tun soll, "was...das... dieses Mädchen, von dem du grade...ist sie...? Deine alte Freundin, der ich ähnlich sehe...?!" Verstehen dämmert in ihren Augen; sie schlägt die Hand vor den Mund, zitternd, von meinem Ausbruch völlig aus der Fassung gebracht. Ich zwinge meinen Körper, mir zu gehorchen, bringe ihn wieder unter Kontrolle, lege meine Finger zärtlich auf die ihren. "Nein, du hast Unrecht..." wispere ich, sehe den Schock in ihren Augen, und ehe sie reagieren kann, packe ich ihre Hand und ziehe sie zu mir auf das Bett, presse sie auf die grüne Matratze, ich knie über ihr, ihre Handgelenke fest umklammert. Seit so langer Zeit weitet ein ehrliches Lächeln meine Lippen, als ich sanft den Kopf neige und ihren vor Schreck erstarrten Mund küsse, ihr Haar unter meinen Fingern ist so weich, wie ich es in Erinnerung habe, ihre bernsteinfarbenen Augen sind so unergründlich wie eh und je, es hat sich nichts geändert. Die harte, wilde Angst in ihren Augen sehe ich nicht. Das ist nicht wichtig, nichts ist wichtig, nur das eine... Sie ist zu mir zurückgekehrt. Und durch den Schleier der Tränen in meinen Augen glaube ich, ihr Lächeln zu sehen, das Bild meines Engels erstrahlt, als ich ihre Wort aufnehme und ihre Stimme in mir wiederhallt... "Ja, das bin ich."

Glossary: Kin- goldglänzend Sumire- violett Anata no Shoku- Deine Farben

Inspiration...nya, der Beinahe-Autounfall meiner Eltern letztens, weil so ein elender Ar*** unbedingt in der Kurve überholen musste -_- Daraus wurde irgendwie ne Idee für ne Story. Btw, ich gebs zu, hab vor dem Schreiben "Amnesia" von Macabre gelesen (LEST ES! *schleichwerb* is absolut genial!), von dort hab ich die Idee mal was psychotisches zu schreiben, aba ich schwörs, die Idee zu "anata no shoku" kam einzig und allein von mir!