Prolog

Legenden enthalten immer einen wahren Kern, sagt man. Vielleicht ist es nicht bei allen so, aber eine gibt es, die sich bewahrheitet hat.

Es gab vor langer Zeit einmal die Legende von einem Volk, welches übernatürliche Kräfte besaß. Man erzählte sich, sie wären mit den Göttern im Bund, eine von ihnen auserwählte Rasse. Doch glaubten die Szaiskon, wie man sie nach ihrem Wappentier in der lavendinischen Gemeinsprache nannte, nicht an die Götter – die sie tatsächlich vor tausenden Jahren geschaffen hatten – sondern nur an die Elementwesen, die unsere Natur beherrschen, an die Elementé, die Katzenkriegerinnen und dergleichen mehr, alles Geschöpfe der Götter. Auch hatten sie, den Geschichten nach, Verbindungen zu den selten zu sehenden Duarfe, Rosenkrieger und Rosenkinder. Sie waren der festen Überzeugung, dass man mit der Natur leben sollte und ihr nur nehmen, was sie einem gab und sie pflegen, damit sie auch für die Menschen in tausend Jahren erhalten bliebe.

Von meinem Standpunkt aus kann ich sagen, dass sie besonders schlau, wenn nicht gar weise waren, doch von den anderen Menschen wurden sie zu jener Zeit verlacht. Im Jahre 6182 des Ersten Zeitalters nach Firien hatte man sogar die Jagd auf sie erlaubt. Damals wütete eine Seuche, bei der alle außer den Szaiskon starben. Also dachte man, dieses Volk müsste irgendetwas damit zu tun oder wenigstens das Gegenmittel dafür haben. Sich dies so zu erklären und es nicht auf die einfache Abhärtung und die magischen Kräfte der Szaiskon zurückzuführen, war dumm, aber für die damaligen Menschen die einzigste Erklärung.

Für manche war es aber auch einfach ein guter Grund, die Szaiskon zu verjagen, damit sie einem nicht mehr in den Weg kämen. Es geschah nämlich oft, wenn ein Bauherr einen heiligen Wald roden musste, um dann auch noch auf einem heiligen Hügel sein Schloss zu bauen, dass sie den Bau zu verhindern wussten. Wie, hatte nie jemand erfahren. Vielleicht durch Zauberei oder Bestechung, meinte man. Manche heuerten sogar Jäger an, denen sie ein Kopfgeld für jeden toten Szaiskon versprachen. In dieser Zeit von etwa zweitausend Jahre, wurden Tausende von Szaiskon ermordet, besonders im letzten Krieg. Mancher schätzte die Zahl auch auf eine Million, aber so weit wollte niemand gehen. Trotzdem gab es immer noch eine geringe Anzahl dieses Volkes, das sich in verschiedenen Gebieten eine Heimat aufgebaut hatte und dort im Geheimen lebte. Sie zeigten sich nie, wurden selten entdeckt und konnten ihre Feinde in dem Glauben lassen, dass sie langsam ausstarben und schließlich gänzlich in der Vergessenheit versanken. Zweitausend Jahre nach dem schrecklichen Krieg, also bis 2330 glaubte man, dass dieses Volk komplett vernichtet war. Aber es war ein Irrtum.